#fragdenLUX – der Ratgeber für Medizinstudenten, Berufsstarter und Ärzte

Ist die Berufshaftpflicht für Medizinstudenten sinnvoll?

 

Was Medizinstudenten über ihr spezielles Haftungsrisiko wissen sollten.

Medizinstudent

Assistenzarzt

Facharzt

Arztpraxis

Für Medizinstudenten in …

  • Klinik
  • Pflegepraktikum
  • Famulatur
  • Praktischem Jahr

Als Famulus oder Student im Praktischen Jahr bist du über das Lehrkrankenhaus oder die Lehrpraxis versichert, falls du einen Patienten falsch behandelst und dadurch schädigst. Die Regel sagt: du musst deiner ärztlichen Aufsichtsperson korrekt Folge leisten, dann bist du auf der sicheren Seite.

Keine Regel ohne Ausnahme. Deswegen sollten lernende Mediziner auf ein mögliches Haftpflicht-Risiko im Studium blicken. Der Schutz einer Haftpflichtversicherung für einen Medizinstudenten gegen dieses Risiko kostet weniger als zehn Euro pro Jahr. Er gilt auch für Kliniken und Einsätze im Ausland. Lass dir noch heute ein Angebot von uns erstellen. Wir erläutern dir gerne bei einer Beratung vor Ort oder online, welche Leistungen eine gute Berufshaftpflichtversicherung für einen Medizinstudent zu einem geringen Beitrag bereitstellt.

Was sind die gesetzlichen / rechtlichen Grundlagen der Arzthaftung?

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 823 ff. ;

Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 100 ff.

Das Bestehen einer Berufshaftpflicht kann eine Uni via Studienordnung generell vorschreiben, Kliniken im In- und Ausland können Selbiges anordnen.

Absicherungsmotive

Das deutsche BGB ist in diesem Punkt eindeutig: wer schuldhaft einen Schaden verursacht muss Schadenersatz leisten. Mit seinem jetzigen und, wenn das nicht reicht, seinem zukünftigen Vermögen. Wer nicht hilflos immensen Schadenersatzforderungen gegenüberstehen will, sichert sich für kleines Geld ab.

Darüber hinaus gibt es Universitäten, die den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten ausdrücklich vorschreiben. (z.B: Studienordnung der LMU München vom 24.11.2009, § 17 Versicherung: „Die Studierenden sind verpflichtet, vor Beginn des Studiums eine geeignete private Haftpflichtversicherung bzw. Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.“)

Ist eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten sinnvoll?

Klares Ja. Unabhängig von der Absicherung über Uni, Lehrkrankenhaus oder die Lehrpraxis stellst du mit einer eigenen Berufshaftpflichtversicherung sicher, dass alle relevanten Haftungs-Risiken abgesichert sind.

Wer braucht eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten?

Empfehlenswert für alle Medizinstudenten, spätestens aber für Studenten mit bestandenem Physikum. Die Famulatur-Kliniken gehen unterschiedlich mit den Anforderungen an den Studenten um. Medizinstudenten mit Ambitionen auf ein Auslandspraktikum (Famulatur oder PJ-Tertial) kommen in der Regel nicht an einer Berufshaftpflicht vorbei. Von vielen Kliniken wird meist vor Stellenantritt der Nachweis einer entsprechenden Versicherung (Versicherungsbestätigung) gefordert.

Was muss eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten leisten?

Prüfung
Eine Haftpflichtversicherung prüft zunächst Rechtslage und gegen den Versicherten erhobene Forderungen.

Befriedigung berechtigter Forderungen
Berechtigte Ansprüche werden befriedigt / entschädigt.

Passiver Rechtsschutz
Unberechtigte Ansprüche werden abgewiesen (passive Rechtsschutzfunktion).

Erweiterter Strafrechtsschutz
Ein vernünftiger Berufshaftpflicht-Vertrag wird auch Rechtsschutz für strafrechtliche Vorwürfe  gewähren, die eine Haftung nach sich ziehen können (erweiterter Strafrechtsschutz).

Privathaftpflicht
Für Medizinstudenten und meist auch Assistenzärzte ohne Facharztanerkennung ist in den meisten Berufshaftpflicht-Verträgen eine Privathaftpflichtversicherung subsidiär enthalten. Subsidiär bedeutet: „mitversichert, solange kein anderweitiger Versicherungsschutz besteht“. Also: Medizinstudenten, die keinen eigenständigen Privathaftplicht-Versicherungsschutz haben oder irgendwo mitversichert sind (z.B. über die elterliche Privathaftpflichtversicherung) sind über ihre Berufshaftpflicht auch Privathaftpflicht-versichert.

Welche Schäden versichert eine Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten?

Personenschäden …
… resultieren aus einer gesundheitlichen Beeinträchtigung des Anspruchstellers. Infrage kommen Forderungen in Form von Schmerzensgeld und Verdienstausfall.

Sachschäden …
… entstehen, wenn das Eigentum des Anspruchstellers beschädigt oder zerstört wird. Forderungen des Geschädigten sind Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes durch Reparatur oder Neuanschaffung, ggf. auch Nutzungsausfall.

Vermögensschäden …
… verursachen einen geldwerten Nachteil, ohne dass gleichzeitig ein Personen- oder Sachschaden eintritt.

 

Welche Tätigkeiten versichert eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten?

Üblicherweise sind alle beruflichen Tätigkeiten, die ein Medizinstudent ausübt, versichert. Famulaturen fallen ebenso unter den Versicherungsschutz wie die drei Tertiale des Praktischen Jahres.

Welche Versicherungssummen (Deckungssummen) sollte eine Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten haben?

Das BGB bestimmt, dass du mit deinem jetzigen und zukünftigen Vermögen haftest. Also unbegrenzt. Deshalb können die zu vereinbarenden Deckungssummen nicht hoch genug sein. Üblich sind 5 Mio EUR, es gibt auch Angebote für 7,5 oder 10 Mio EUR Deckung.

Wofür leistet eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten nicht?

Vorsatz
Für z.B. vorsätzlich verursachte Schäden oder Behandlungen mit behördlich verbotenen Arzneimitteln leistet kein Versicherer.

Behandlungen mit fehlender medizinischer Indikation
Für kosmetisch indizierte Behandlungen und Eingriffe; eine ärztliche Tätigkeit außerhalb des Ausbildungsverhältnisses; eine ausschließlich verwaltende Tätigkeit ist derzeit ebenfalls kein Versicherungsschutz zu bekommen.

Aufgabenbereich der Öffentlichen Hand
Schäden, die in den Aufgabenbereich des Kommunalen Schadenausgleiches oder anderer öffentlich-rechtlicher Träger fallen sind generell vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Was ist ein Behandlungsfehler?

Werden medizinische Behandlungen nicht ordnungsgemäß oder unsachgemäß ausgeführt spricht man von einem Behandlungsfehler, der zivil- und strafrechtlich verfolgt werden kann. Eine im Jahr 2019 von der Bundesärztekammer durchgeführte Erhebung identifizierte im Zeitraum 2006-2019 rd. 11.000 Behandlungen mit mutmaßlichen Behandlungsfehlern, die jedes Jahr durch Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Kammern zu bewerten waren.

Patientenaufklärung und Dokumentation als Risikovorsorge und Vertrauensbildung?

Eine für den Patienten verständliche Aufklärung schafft nicht nur Vertrauen und Patientenzufriedenheit, sie ist auch die Basis einer eventuellen späteren Abwehr unberechtigter Forderungen. Deshalb sollte der Patient nicht nur umfassend und verständlich aufgeklärt, sondern das ganze auch nachvollziehbar dokumentiert werden.

Ist der Geltungsbereich einer Berufshaftpflicht für Medizinstudenten eingeschränkt?

Der Schutz für außerdienstliche Ereignisse (Erste Hilfe, Notfälle) ist meist regional unbeschränkt zu haben, während für Versicherungsschutz für dienstliche Tätigkeiten oftmals  bestimmte Länder ausschließt.

Auf was sollten Medizinstudenten bei ihrer Berufshaftpflicht achten?

ausreichende Deckungssummen (mindestens 5 Mio Euro) – je höher desto besser;

alle relevanten Tätigkeiten (z.B. auch besondere Nebentätigkeiten) sind versichert;

der Risikoträger (Versicherer) sollte ausreichend kompetent sein (ein Versicherer, der auf Landwirtschaft spezialisiert ist, wird sich eher weniger bis gar nicht im Bereich Heilwesen auskennen)

Sind alle Haftpflichtversicherungen gleichermaßen für Medizinstudenten geeignet?

NEIN. Es gibt nur wenige Angebote, die die Bedürfnisse von Medizinstudenten vollumfänglich befriedigen.

Reine Privathaftpflichtversicherungen sind generell ungeeignet, da sie das spezielle Risiko von Medizinstudenten nicht hinreichend versichern.

Was unterscheidet eine Berufs- von einer Privathaftpflicht-Versicherung?

Eine Berufshaftpflicht versichert Ersatzansprüche, die aus der Ausübung des Arztberufes resultieren.

Eine Privathaftpflicht deckt Ersatzansprüche gegen Privatpersonen, Sporttreibende, Aufsichtspersonen (Eltern), auch Fußgänger, Radfahrer, unabhängig von deren beruflicher Tätigkeit

Wie verhält sich ein Medizinstudent im Schadenfall richtig?

Informiere immer zuerst deinen Versicherer und stimme das weitere Vorgehen mit ihm ab. Sende diesem eine ausführliche Stellungnahme zu dem Behandlungsfehlervorwurf und die relevanten Patientenunterlagen in Kopie;

Erkenne keine Ansprüche Die Bewertung der maßgeblichen Situation und der daraus folgenden Ansprüche ist Aufgabe deines Haftpflichtversicherers, bzw. von dessen spezialisierten Juristen und Gutachtern;

Wirst du aufgefordert, Patientenunterlagen herauszugeben, bist du verpflichtet, entsprechende Kopien gegen Erstattung von Kopierkosten zur Verfügung zu stellen (gib niemals Originale heraus, auch kein bildgebendes Befundmaterial);

Fordert ein Dritter Unterlagen an, muss der Patient zuvor eine Schweigepflichtentbindung oder Vollmacht erklärt haben. Lass dir diese schriftlich vorlegen und mach eine Kopie für deine Unterlagen.

ACHTUNG: Bei der Schadenmeldung gehen persönliche Daten eines Anspruchstellers / Patienten niemanden außer den Versicherer etwas an. Die Weitergabe von Patientendaten an Unbefugte (dazu gehören alle, die nicht beim Versicherer direkt angestellt oder von ihm mit der Schadenregulierung beauftragt sind) ist ein strafrechtlicher Verstoß (§ 203 StGB).

Was kostet eine Berufshaftpflicht für Medizinstudenten?

Ein geeigneter Berufshaftpflicht-Vertrag für Medizinstudenten kostet, je nach Anbieter, etwa 10 EUR pro Kalenderjahr. Eine subsidiäre Privathaftpflichtversicherung ist meist enthalten, erweiterter Strafrechtsschutz ebenfalls.

Gibt es kostenlose Berufshaftpflichtversicherungen für Medizinstudenten?

Es gibt Vermittler / Organisationen, die bieten die Berufshaftpflicht für den Medizinstudenten kostenlos an.  In dem Fall bezahlst du praktisch mit deinen Daten und der Einwilligung, jederzeit kontaktiert werden zu dürfen.

Das kann immer mal wieder dazu führen, dass man letztlich zwei oder mehr (kostenlose) Verträge (und Mitgliedschaften) an der Backe hat, was möglicherweise ungewollte Konflikte erzeugt. Oder du siehst dich später als Arzt einem beitragspflichtigen Vertrag gegenüber, den du eigentlich vermeiden wolltest.

Ob eine Ersparnis von insgesamt 60 EUR über 6 Jahre dies wert ist mag jeder für sich selbst beurteilen.

Was passiert, wenn sich der Berufsstatus ändert, z.B. vom Medizinstudenten zum Assistenzarzt?

Wichtiger Bestandteil einer Berufshaftpflichtversicherung für Mediziner ist die so genannte Vorsorgeversicherung. Sie sorgt dafür, dass du bei einer Änderung des Risikos (z.B. Statuswechsel Medizinstudent-Arzt oder Arzt-Facharzt) deinen Versicherungsschutz nicht verlierst. Das höhere Risiko ist bis zur nächsten Fälligkeit (Zeitpunkt der Beitragszahlung) mitversichert und muss spätestens dann dem Versicherer angezeigt werden. Dafür schickt dir der Versicherer rechtzeitig zum Fälligkeitstermin einen Fragebogen.

Ist die Haftpflicht für Assistenzärzte günstiger, wenn du sie schon als Student abschließt?

Nein, Assistenzärzte haben keinen Beitragsvorteil, wenn ihre Berufshaftpflicht beim gleichen Versicherer schon im Studium bestand.

Noch Fragen?
Wir haben die Antworten.

Telefon
+49.345.2795 0290