Operation Praxis

Von | 2017-12-29T11:53:03+00:00 04. Dezember 2017|Ratgeber|0 Kommentare

der Weg zur eigenen Praxis

Die beiden bekanntesten Planer (der Filmgeschichte) waren möglicherweise Egon Olsen und Hannibal Smith. Mit unterschiedlichem Erfolg. Während der Chef der Olsenbande stets seine Aufenthalte hinter dänischen Gefängnismauern nutzte, um den nächsten Coup zu planen, liebte es der Anführer des A-Teams, wenn ein Plan funktionierte.

Was diese cineastischen Perlen der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Gründung einer Arztpraxis gemein haben? Zugegebenermaßen nicht viel. Aber immerhin waren zumindest die vier Ex-Militärs stets in der Lage, jeweils ihre Stärken auszuspielen und als Sieger vom Platz zu gehen, während die liebenswert einfältigen Dänen stets über ihre Verhältnisse klauten.

Einen funktionierenden Plan sollte Arzt in jedem Fall für seinen Start in die Selbständigkeit haben, egal ob es sich um Einstieg oder Übernahme einer bestehenden Praxis oder um eine Neugründung handelt. Im Idealfall beginnen Sie 12-18 Monate vor dem geplanten Start, gute Vorbereitung ist alles.
Der Kauf einer bestehenden Praxis ist aufgrund vieler gesperrter Planungsbereiche die bei weitem überwiegende Art der Existenzgründung. Daher werden wir uns in diesem Beitrag ausschließlich dieser Form widmen. Das Thema Neugründung besprechen wir in einem künftigen Artikel gesondert, ebenso den Einstieg in eine bestehende Berufsausübungsgemeinschaft (BAG – früher Gemeinschaftspraxis).
Es geht also konkret um die Übernahme einer Einzelpraxis von einem abgebenden Kollegen.

Team

Zunächst gilt es, das richtige Team zusammenzustellen. Sie benötigen:

  1. einen Unternehmensberater für die wirtschaftliche Planung und die Prognosen, Fördermittel, Coaching
  2. einen Unterhändler
  3. einen Finanzberater für den Finanzierungsplan, das Finanzierungskonzept und die Verhandlungen mit der Bank
  4. einen Versicherungsmakler für die späteren persönlichen und die Praxisversicherungen
    #oder einen ARZTberater, der alle 4 Themenfelder gleichermaßen beherrscht.
  5. einen Steuerberater, u.a. auch für die Lohnabrechnung, Buchführung, etc.
  6. einen Fachanwalt für Medizinrecht für Kauf- und sonstige Verträge der Praxis
  7. (eventuell) einen Praxisplaner / -ausstatter
  8. eine Computerfirma, die sich zuverlässig um Ihre EDV kümmert.

Suche

Schritt 2 ist die Suche nach der geeigneten Praxis. Hierbei helfen die Praxisbörsen der KVen, die Arztsuche der KVen (sofern Sie sich in der Suchregion auskennen) und diverse weitere Praxisbörsen oder persönliche Kontakte. Oftmals kennen Krankenhausärzte ihre niedergelassenen Kollegen und wissen deren ungefähres Alter, so dass man auch infrage kommende Kollegen direkt ansprechen kann.

Kontakt

Die erste Kontaktaufnahme zu dem abgebenden Kollegen sollte durch den Arzt selbst erfolgen. In diesem Schritt geht es nur darum, das grundsätzliche Verkaufsinteresse zu erfragen, ggf. den Abgabe-Wunschtermin, und sich einen Eindruck der Praxis zu verschaffen.

Beim zweiten Kontakt kann der Berater hinzugezogen werden, da es dann darum geht, alle relevanten Unterlagen für den Kaufvorgang zusammen zu tragen. Sofern der Verkäufer einen eigenen Berater eingebunden hat, könnte das den Kaufvorgang für die beteiligten Ärzte enorm vereinfachen. Spezialisierte Berater sind darauf eingestellt, mit anderen Beratern Informationen und Unterlagen auszutauschen. Berater haben im besten Fall Spielräume, um Kaufpreis und Nebenbedingungen auszuhandeln und so den Ärzten zahllose Sitzungen, Missverständnisse und Debatten zu ersparen. Außerdem sind sie mit den gängigen Wertermittlungsmethoden und erzielbaren Verkaufspreisen bestens vertraut, was Verhandlungen über Mondpreise in der Regel ausschließt.

Kaufvertrag

Im Zuge der Übernahmemodalitäten ist auch die Erstellung des Kaufvertrages zu besprechen. Einigen sich die Parteien auf einen gemeinsamen Fachanwalt oder läßt sich jeder von einem eigenen Anwalt vertreten?

Genehmigungen

Sprechen die Unterlagen der Praxis, Kaufpreis und Nebenbedingungen für einen Kauf, ist das weitere Vorgehen bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu planen. Der Käufer muss ins Arztregister, die Praxis ausgeschrieben werden, der Käufer muss sich auf die Praxis bewerben. Die Ansprechpartner bei der KV sind bei allen Fragen gern behilflich und helfen auch bei der Organisation.
Darüber hinaus sollten die persönlichen Genehmigungen mit dem Leistungsspektrum der künftigen Praxis abgeglichen werden. Fehlen noch Weiterbildungen, sollte eine Seminar-Planung erfolgen, damit alle Nachweise pünktlich vorliegen.

Befassen Sie sich ausgiebig mit der Praxis und Ihren späteren Arbeitsabläufen. Lernen Sie schon mal die eine oder andere Helferin kennen. Fragen Sie sich: Soll die Praxis so bleiben oder soll sie umgestaltet, renoviert, modernisiert werden. Dazu ist der frühzeitige Kontakt zu Handwerkern oder einem Praxisplaner sinnvoll. Ebenfalls wichtig: Geschäftsausstattung und Außendarstellung. Rezeptblöcke, Briefbogen, Umschläge einer Arztpraxis dürfen auch schick sein. Patienten freuen sich, Informationen zur Praxis, mindestens aber Öffnungszeiten und Ansprechpartner im Netz vorzufinden. Ein Logo schafft Wiedererkennung.
Erarbeiten Sie gemeinsam mit den Auftragnehmern einen Zeitplan und fordern Sie konkrete Angebote (für den Finanzierungsbedarf) an.

Finanzierung

Ihr ARZTberater wird sich um die Erstellung der betriebswirtschaftlichen Prognosen und des Finanzierungskonzepts kümmern. Danach erfolgt die Feinabstimmung zwischen Arzt und Berater, die Anfrage bei der Wunschbank und die Verhandlung der Konditionen für die Finanzierung.

Versicherungen

Damit Sie jederzeit ruhig schlafen können, erstellt Ihnen Ihr ARZTberater ein Versicherungskonzept, das alle relevanten Risiken absichert. Für die Praxis und Sie selbst. Nehmen Sie sich Zeit und setzen sich mit diesen Themen auseinander. Dann können Sie seriös entscheiden, welche Absicherung Sie sofort, welche später und welche gar nicht brauchen.

In der Zwischenzeit läuft die Ausschreibung bei der KV und die Sitzung des Zulassungsausschusses (ZA) rückt näher. Mit dem Verkäufer sollte abgestimmt sein, dass eventuelle weitere Bewerber über Ihren Deal informiert werden und ihre Bewerbung idealerweise zurückziehen, damit Sie in der Sitzung des ZA der einzige Kandidat sind. Je nach Fachgruppe und Region funktioniert das sehr gut bis gar nicht. Wenn hartgesottene Zeitgenossen darunter sind, sollte eventuell zu Plan B übergegangen werden – vorausgesetzt der Verkäufer spielt mit.

Bevor der Zulassungsausschuss final entscheidet wird ein wissender Verkäufer den Kaufvertrag geschlossen haben wollen. Keine Sorge, ein vernünftiger Vertrag beinhaltet Klauseln zum Rücktritt, für den Fall, dass Sie nicht der glückliche Übernehmer werden oder vorher unter die Räder kommen.

Hat der Ausschuss zu Ihren Gunsten entschieden gilt es, die restlichen Verträge (Finanzierung, Versicherungen) zu unterschreiben und Sie startklar zu machen.

Förderung

Sofern Sie in der Zwischenzeit arbeitslos sind oder werden, sollten Sie bei der Arbeitsagentur Fördermittel beantragen, die Ihre privaten Finanzen für die ersten 6 Monate entlasten. Wichtig: auch bei Sperrfristen lohnt sich die Antragstellung.
Ihr ARZTberater wird Ihnen hierfür die notwendigen Unterlagen (Gründungskonzept, Umsatzplanung, Bestätigung fürs Amt) zuarbeiten.

Eröffnung

Ist bis hierhin alles gut gelaufen, wird es Zeit die Praxiseröffnung zu planen. Selber backen oder Catering bestellen ist Geschmackssache. Es geht darum, Kollegen, Freunden und ggf. Überweisern zu sagen: Guckt mal, hier bin ich!

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Über den Autor:

Matthias G. Knitschke berät seit 1995 Ärzte bei Fragen zu Versicherung, Geld und Praxis. Seit 2003 begleitet er Ärzte auf dem Weg zur eigenen Praxis mit betriebswirtschaftlicher Beratung, Coaching, Finanzierungsplanung und -vermittlung und als Versicherungsmakler. Zusammen mit seinem ARZTberaterkollegen Jens Böning ist er einer der ersten und wenigen von der International School of Management und dem IFU-Institut zertifizierten Ärzte- und Zahnärzteberater in Deutschland.

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